An der Scheibenstrasse 25 stand Balder im dritten Stock beim offenen Fenster und gab das Motto für den Tag raus: „Kauf ein Brot.“ Er sagte es halblaut. Doch die Leute, die rauf schauten, verstanden. Sie verharrten, den Kopf im Nacken. Balder stand im Fensterrahmen, er blickte in die Weite. Wiederholen würde er es nicht. Aber das Motto würde die Runde machen. Er trat weg und schloss das Fenster.
Er hatte sich etwas Griffiges vorgenommen für heute, Balder. Ein greifbares Motto, das die Leute im Alltag umsetzen können. Nichts Abstraktes, Hochtrabendes. Gleich zwei-, dreihundert Meter später würden sie zur Tat schreiten. Am Breitenrainplatz gibt’s einen Migros und einen Coop.
Die Leute verstehen nicht immer. „Welle“ war so ein Motto gewesen. Er hatte den Arm dazu bewegt, in Form einer Welle. Am nächsten Tag wand sich gegenüber ein gemaltes Gewächs die Wand eines Bürogebäudes empor. Vielfarbig und wellenförmig. Balder murrte. So war es nicht gemeint. Aber er hatte es befürchtet.
Balder selbst hatte kein Motto. Er brauchte keins, er schwieg sonst. Bis darauf, dass er die Mottos verkündete. Aber die Leute im Quartier brauchten eines. Das sah man. Balder sah es. Und er nahm seine Pflicht wahr.

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