Es ist erstaunlich, dass die hiesigen Flurbezeichnungen so bieder sind, wo doch gerade das Bergvolk gerne den einen oder anderen Hund verlocht. Sollten selig trunkene Sennen eine mit Hügelchen übersäte Alp je anders als "Püpialp" getauft haben? Wie könnten schnapsende Jäger davor zurückgeschreckt sein, Talflanken und üppige Weiden den Auswüchsen des weiblichen Körpers zu vergleichen? Wie kommt es, dass die ur-schweizerische feuchtfröhliche Folklore in so trockene und nüchterne Toponyme ausfloss?
Die Vermutung einer Geschichtsverfälschung liegt nahe. Nur der stets schädliche Einfluss von prüden Pfaffen erklärt die Diskrepanz zwischen dem, was sein sollte, und dem, was ist. Forschung und Lehre im Fachbereich "Obszöne Toponomastik" zielen darauf, die verschütteten Flurnamen in ihrer ursprünglichen Schlüpfrigkeit freizulegen, und das kritische Bewusstsein dafür zu schärfen, wie die Kirche bis zum heutigen Tage unser Weltbild verzerrt.