Freitag, 20. Juni 2008

Blindgänger im Buchstabengestöber

Diese Buchstabenflocken lockern, / pflügen mein Gesichtsfeld um / sähen blinde Flecken / ein Nacht-/Schattengewächs / durchwuchert den Verstand / abgewürgt.

Mühselig stapft es sich durch die Zeilen / nicht tot, aber / ermattend.

Der Blick sinkt ein / die Augen kristallieren / zu Schmerz.

Ein Schrei sickert aus der Kehle / gerinnt.

Draußen in den Texten ist es kalt/ mein Geist baumelt in diesem kahlen Geäst / selbst Gerüst.

Dienstag, 10. Juni 2008

Neuer Fachbereich am Leerstuhl: Obszöne Toponomastik

Es ist erstaunlich, dass die hiesigen Flurbezeichnungen so bieder sind, wo doch gerade das Bergvolk gerne den einen oder anderen Hund verlocht. Sollten selig trunkene Sennen eine mit Hügelchen übersäte Alp je anders als "Püpialp" getauft haben? Wie könnten schnapsende Jäger davor zurückgeschreckt sein, Talflanken und üppige Weiden den Auswüchsen des weiblichen Körpers zu vergleichen? Wie kommt es, dass die ur-schweizerische feuchtfröhliche Folklore in so trockene und nüchterne Toponyme ausfloss?

Die Vermutung einer Geschichtsverfälschung liegt nahe. Nur der stets schädliche Einfluss von prüden Pfaffen erklärt die Diskrepanz zwischen dem, was sein sollte, und dem, was ist. Forschung und Lehre im Fachbereich "Obszöne Toponomastik" zielen darauf, die verschütteten Flurnamen in ihrer ursprünglichen Schlüpfrigkeit freizulegen, und das kritische Bewusstsein dafür zu schärfen, wie die Kirche bis zum heutigen Tage unser Weltbild verzerrt.